{"id":120,"date":"2020-12-04T13:34:31","date_gmt":"2020-12-04T12:34:31","guid":{"rendered":"https:\/\/xn--rechenschwche-therapie-94b.ch\/?page_id=120"},"modified":"2021-01-15T09:07:46","modified_gmt":"2021-01-15T08:07:46","slug":"fragen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.rechenschwaeche-therapie.ch\/index.php\/fragen\/","title":{"rendered":"Fragen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Was ist eine Dyskalkulie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Dyskalkulie bzw. eine Rechenschw\u00e4che besteht dann, wenn ein Kind l\u00e4nger als ein halbes Jahr andauernde Schwierigkeiten in der Mathematik hat, welche nicht durch Faktoren wie eine verminderte Intelligenz, ungen\u00fcgende Beschulung oder sonstige Gr\u00fcnde erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Gem\u00e4ss WHO gilt die Diskrepanz-Definition: Ein Kind, welches einen IQ im Durchschnittsbereich aufweist und dessen mathematischen Leistungen eine starke Differenz zu diesem zeigen. Das Defizit betrifft die Beherrschung grunds\u00e4tzlicher Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die h\u00f6heren mathematischen Fertigkeiten, die f\u00fcr Algebra, Trigonometrie, Geometrie, Differential oder Integralrechnung ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Dyskalkulie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dazu bestehen verschiedene Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze. Eine aktuelle Erkl\u00e4rung aus der kognitiven Neurobiologie ist dasTriple-Code Modell von Dehaene<em>. <\/em>Dieses<em> <\/em>sagt aus<em>, &nbsp;<\/em>dass es im Hirn kein einzelnes Rechenzentrum gibt, sondern drei verschiedene Module, welche f\u00fcrs Rechnen zust\u00e4ndig sind. Und zwar folgende :<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>das Modul f\u00fcr die analoge Repr\u00e4sentation der M\u00e4chtigkeit von Mengen (Vergleichen, \u00dcberschlagsrechnungen, Sch\u00e4tzen\u2026),<\/li><li>das Modul f\u00fcr die auditiv-sprachliche-Repr\u00e4sentation (Zahlwort, Z\u00e4hlen, Faktenwissen, Kopfrechnen, Zahlen sprechen und h\u00f6ren)<\/li><li>das Modul f\u00fcr die visuell-arabische Repr\u00e4sentation (Operationen mit mehrstelligen Zahlen, Teilbarkeit, gerade-ungerade, Zahlen lesen und schreiben)&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bei einem Kind oder Erwachsenen mit unauff\u00e4lliger Rechenf\u00e4higkeit wird beim Lesen einer Zahl (Bsp.: \u00ab7\u00bb) das Zahlwort (\u00absieben\u00bb) im Kopf automatisch aktiviert. Zus\u00e4tzlich bildet sich eine Vorstellung der ungef\u00e4hren Gr\u00f6sse dieser Zahl in unserem Bewusstsein aus. Aus der Zusammenarbeit dieser drei Komponenten entsteht ein mentaler Zahlenstrahl in unseren K\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese drei Module arbeiten also Hand in Hand und es besteht die Vermutung, dass bei einer Rechenschw\u00e4che &nbsp;die Entwicklung mindestens eines dieser Module oder der Austausch unter ihnen beeintr\u00e4chtig ist. Leider w\u00e4chst sich die Dyskalkulie nicht einfach aus. Das Kind braucht Unterst\u00fctzung damit seine Rechenschwierigkeiten nicht immer gravierender werden, da in der Mathematik alles aufeinander aufbaut. Dyskalkulie hat aber in den seltensten F\u00e4llen mit der Intelligenz zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weshalb wird eine Dyskalkulie oft lange nicht erkannt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele der betroffenen Kindern entwickeln eigene Strategien wie Finger z\u00e4hlen oder rechnen mit hochkomplizierten Wegen, was teilweise zu richtigen Resultaten f\u00fchren kann v.a bei den Aufgaben in den ersten zwei Schuljahren. Da aber keine Automatisation stattfinden kann, scheitern diese Kinder oft wenn die Rechnungen komplizierter werden, da sie einen grossen Aufwand darauf verwenden m\u00fcssen um die Basisaufgaben wie 7+ 5 zu l\u00f6sen. Damit wird ihr Kurzzeitspeicher \u00fcberlastet und sie k\u00f6nnen die Aufgaben meistens nicht mehr korrekt zu Ende l\u00f6sen. Oft hat man dann das Gef\u00fchl, dass sich das Kind nicht gen\u00fcgend konzentriert oder es Fl\u00fcchtigkeitsfehler macht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie wird eine Dyskalkulie-Diagnose erstellt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr braucht es eine vertiefte Abkl\u00e4rung . Bei dieser Abkl\u00e4rung geht es darum die Rechenwege des Kindes zu erfragen, sowie etwas \u00fcber die Lernmotivation, Selbstst\u00e4ndigkeit, Arbeitsstrukturen, Wahrnehmung und den Kurzzeitspeicher des Kindes zu erfahren. Falls es eine offiziell annerkannte Diagnose braucht, ben\u00f6tigt man zus\u00e4tzlich einen Intelligenztest, welchen man bei der Schulpsychologin machen lassen kann.  Da es aber in den meisten Kantonen keine finanzielle Unterst\u00fctzung gibt f\u00fcr eine Dyskalkulie-Therapie, k\u00f6nnen wir gerne im gemeinsamen Gespr\u00e4ch rausfinden, ob ein zus\u00e4tzlicher IQ-Test f\u00fcr Ihr Kind Sinn macht, da dieser auch immer mit einem gewissen Stress f\u00fcr das Kind verbunden ist. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was n\u00fctzt eine Dyskalkulie-Abkl\u00e4rung oder -Diagnose?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allenfalls kann sie das Kind und\/oder auch die Eltern entlasten und denLeistungsdruck reduzieren. Teilweise hilft eine Abkl\u00e4rung\/Diagnose auch dabei die Familiensituation allgemein zu beruhigen, so f\u00fchren z.B. Hausaufgaben danach oft zu weniger Streitereien. Es werden sich alle Beteiligten (Eltern, Lehrpersonen) bewusst, dass die Defizite nicht einfach behoben werden k\u00f6nnen durch intensiveres \u00dcben oder bessere Konzentration. Selber erlebe ich immer wieder auch, wie die Motivation der Kinder f\u00fcr Mathematik mit der Therapie steigt, da sie sich verstanden und v.a. an ihrem Wissensstand abgeholt f\u00fchlen. Sie merken in der Therapie, dass Mathematik f\u00fcr sie machbar ist und nicht mehr nur ein Zahlendurcheinander, das sie nicht verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kann ich als Eltern mein Kind bei einer Dyskalkulie unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leidet Ihr Kind an einer Dyskalkulie, braucht es Ihr Verst\u00e4ndnis und Ihre Unterst\u00fctzung in besonderem Ma\u00dfe. Loben Sie bei Ihrem Kind auch die kleinsten Fortschritte und v.a. auch seine Anstrengungen. Lassen Sie sich selber nicht unter Druck setzen durch die Schule und deren Arbeitstempo. <\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist, dass Ihr Kind die Freude an der Mathematik nicht verliert. Das prim\u00e4re Ziel muss sein, die Freude an der Mathematik wieder zu erwecken mit (individuellen) Erfolgserlebnissen, die das Selbstvertrauen st\u00e4rken. Daf\u00fcr wird optimalerweise der Basisstoff St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aufgearbeitet, angepasst am Wissenstand des Kindes. Die Aufgabenschwierigkeit sollte erst dann gesteigert werden, wenn Ihr Kind den vorhergehenden Schritt sicher beherrscht. <\/p>\n\n\n\n<p>Zeigen Sie bitte den Kindern keine Tricks (z.B. Rechne doch 5+3 statt 3+5) und keine eigenen Methoden, solche gutgemeinten Hilfen r\u00e4chen sich meistens ab 3.\/4.Klasse. Wenn Sie dem Kind regelm\u00e4ssig helfen m\u00fcssen und\/oder oder wenn das Kind immer wieder starken Widerstand zeigt, benachrichtigen Sie unbedingt die Lehrperson und lassen Sie das Kind bei einer Dyskalkulie-Therapeutin abkl\u00e4ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei Textaufgaben muss das Kind mit der Zeit selbst\u00e4ndig planen, wie es vorgehen will. Planung muss aber im Alltag ge\u00fcbt werden. Planen Sie doch zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern Ausfl\u00fcge, Freizeitaktivit\u00e4ten, Ferien etc. Eine weitere gute Idee ist das gemeinsame Erstellen eines Wochen\u00fcbersicht-Planes, auf dem alle Schulf\u00e4cher sowie auch Freizeitaktivit\u00e4ten und \u00c4mtli eingetragen werden k\u00f6nnen. Somit kann ge\u00fcbt werden, dass das Kind selber verantworlich ist um z.B. die Turnsachen, entsprechende Lernb\u00fccher etc. am richtigen Tag einzupacken. Auch soll das Kind regelm\u00e4ssig Pflichten \u00fcbernehmen wie Haustier f\u00fcttern, Tisch decken, Kehricht wegtragen etc. Auch das f\u00f6rdert die Eigenverantwortung und das Selbstvertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist eine Dyskalkulie heilbar?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinder k\u00f6nnen durch geeignete schulische F\u00f6rderung und  durch therapeutische Ma\u00dfnahmen gro\u00dfe Fortschritte erzielen. Viele Betroffene haben aber immer \u00fcberdurchschnittliche Schwierigkeiten mit entsprechenden Aufgaben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hilft bei einer Dyskalkulie? Wie arbeite ich mit dem Kind in der Therapie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn steht eine genaue Abkl\u00e4rung, in der ich rausfinde, wie das Kind rechnet (was hat es verstanden, was hat es automatisiert, wie sind seine Rechenwege etc.) und in der ich weitere Aspekte anschaue, die f\u00fcr den Erfolg in der Mathematik wichtig sind. Die Rechenwege des Kindes sind sehr wichtig, da es zum richtigen Resultat kommen kann, obwohl es falsche oder sehr umst\u00e4ndliche Rechenwege ben\u00fctzt oder mit den Fingern z\u00e4hlt. All das verhindert aber eine Automatisation und wird mit der Zeit, wenn die Rechenaufgaben immer komplizierter und komplexer werden, dem Kind ein Vorw\u00e4rtskommen in der Mathematik verunm\u00f6glichen oder sehr verlangsamen. Leider wird das in den schriftlichen (Schul-)Tests oft nicht gemerkt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Abkl\u00e4rung beobache und erfrage ich auch die Arbeitsweise, die Motivation, die Selbstst\u00e4ndigkeit, das r\u00e4umliche Vorstellungsverm\u00f6gen, das Kurzzeitged\u00e4chnis und das Selbstvertrauen des Kindes. Anhand dieser umfassenden Informationen erstelle ich auf Wunsch einen individueller F\u00f6rderplan f\u00fcr das Kind und bespreche diesen mit Ihnen. Dabei werden wir auch weitere Abmachungen treffen z.B. betreffend Hausaufgaben aus der Therapiestunde, Unterst\u00fctzung zu Hause und vereinbaren allenfalls nach einigen Wochen ein weiteres Gespr\u00e4ch, &nbsp;bei dem ich auch eine grobe Sch\u00e4tzung \u00fcber die Dauer der Therapie geben kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Kind beginne ich genau dort zu arbeiten, wo es die ersten L\u00fccken bzw. die ersten Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten hat. In der Therapiestunde geht es darum mit dem Kind ein ad\u00e4quates Zahlen- und Rechenverst\u00e4ndnis aufzubauen sowie an der Automatisation zu arbeiten. Automatisation hilft dabei den Kurzzeitspeicher des Kindes zu entlasten, die Arbeitsgeschwindigkeit zu erh\u00f6hen und die Fehleranf\u00e4lligkeit zu minimieren. Ein weiterer wichtiger Punkt der Therapie ist es, das Selbstvertrauen des Kindes aufzubauen und die Angst vor der Mathematik abzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es empfehlenswerte Literatur zum Thema Dyskalkulie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerne informiere ich Sie bei unserem Gespr\u00e4ch \u00fcber die Hintergr\u00fcnde einer Dyskalkulie und die wichtigsten Punkte bei bei der Therapie. Falls Sie aber interessiert sind an tiefergehenden Informationen, w\u00fcrde ich Ihnen folgende Literatur empfehlen: \u00abRechenschw\u00e4che-Dyskalkulie: eine unterrichtspraktische Einf\u00fchrung f\u00fcr LehrerInnen und Eltern\u00bb von Michael Gaidoschik oder das Buch \u00abKindern mit Rechenschw\u00e4che erfolgreich f\u00f6rdern \u2013 ein Praxishandbuch f\u00fcr Eltern, Lehrer und Therapeuten\u00bb von Armin Born und Claudia Oehler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eine Dyskalkulie? 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